Ein wunderbarer Jahresbeginn

Es war am 7. Dezember um die Mittagszeit, als ich online ein Kompliment für meinen letzten Blogbeitrag erhielt. Wie ich es meistens tue, habe ich mich dafür bedankt, denn ich bin auch online ein höflicher Mensch. So kam ich mit einem Mann ins Gespräch.

Nach nur wenigen Nachrichten dachte ich mir, der Zeitpunkt, um spontan zu sein, wäre selten besser gewesen und fragte ihn, ob er im Vorweihnachtsstress wäre. Er verneinte und wir verabredeten uns gleich am nächsten Tag zu einem Kaffee in der Stadt. Knapp zwei Stunden unterhielten wir uns inmitten von Menschen über alle möglichen Themen, das Gespräch verlief sehr gut und war kurzweilig. Sowohl BDSM, als auch Politik fanden Platz. Wir tickten ähnlich. Es folgten ein paar Tage Kontakt via Chat bis wir uns ein weiteres mal verabredeten. Diesmal gingen wir ausgesprochen gut Abendessen und danach einen Cocktail trinken. Auch bei diesem Treffen habe ich mich einem höflichen und eloquenten Gesprächspartner gegenüber wiedergefunden. Wir haben ähnliche Ansichten, was die Welt betrifft. Das tut gut. Was mich zugegeben sehr irritierte, war, dass er ständig betonte, er sei ein hoffnungsloser Romantiker. Auch hätte er ein Problem mit dem Wort „Schlagen“ und blaue Flecken auf der Sklavin zu hinterlassen wäre ebenfalls nichts für ihn. Das rief in mir Bilder hervor, die mehr mit Seidenschals und Plüschhandschellen zu tun hatten, als mit dem, was ich suche. Ich brauche Strenge, Konsequenz und eine harte Hand. Bei der Verabschiedung küsste er mich leidenschaftlich. So ganz perfekt war der erste Kuss nicht. Aber ein Anfang war gemacht.

Auf der Heimfahrt dachte ich die ganze Zeit: Was mache ich mit so einem netten Mann? Ich brauche keinen netten Mann. Ich will einen liebevollen, aber strengen Herrn. Ja, eine gewisse Dominanz strahlte er auf mich aus – schon aufgrund seiner Körpergröße – aber könnte dieser Mann mich so behandeln, wie ich es brauche als Sklavin? Er schien viel zu nett zu sein!

Da er in unseren Gesprächen anmerkte, dass wir, wenn wir auf der BDSM-Ebene nicht harmonieren würden, trotzdem einen interessanten Menschen kennengelernt hätten, nahm er Druck aus meinen Erwartungen. Schon am darauffolgenden Wochenende gingen wir gemeinsam im Wald spazieren. Er wohnt unweit von mir, was ebenfalls eine neue Situation für mich ist. Ich bin gerne in der Natur und kann mit einem Herrn, der nur vor dem Computer sitzt und eine Zigarette nach der anderen raucht, nichts anfangen. Der Nachmittag endete in einem kleinen Café. Er versuchte meine Nippel durch die Kleidung hindurch zu quetschen. Das gelang nicht sonderlich gut, aber langsam konnte ich mir vorstellen, dass er nicht „nur“ nett sein konnte. Das gefiel mir.

In der Weihnachtswoche hatte er eine geplante Operation und mein Kalender war leer. Ich beschloss, ihn zu besuchen, was ich dann in diesen Tagen sogar zwei Mal tat. Wieder redeten wir ohne Punkt und Komma, tranken in der Cafeteria etwas und kamen uns auf mehreren Ebenen immer näher. Doch noch gab es weiterhin nicht mehr als leidenschaftliche Küsse, die mir immer besser gefielen.

Der Jahreswechsel stand vor der Türe. Spontan fragte ich ihn, ob er Lust hätte, das Neujahrskonzert mit mir auf einem der Public Viewing Plätze in Wien zu verfolgen. Weder in meiner, noch in seiner Wohnung sind Treffen möglich. Er war gleich einverstanden. Wir mussten somit nur zwischen Stephansplatz, Riesenradplatz und dem MAK wählen. Am Ende fiel die Wahl auf ein Day-use-Hotelzimmer…Er hatte tatsächlich kurzfristig noch ein Zimmer gefunden.

Der 1.1.2026 war ein grandioser Jahresbeginn, wie ich ihn mir besser nicht vorstellen hätte können. Dieser Mann ist ein Gentleman durch und durch, aber er kann auch anders. Sechs Stunden lang – zu Beginn haben wir das Neujahrskonzert mit Prosecco genossen – haben wir uns in diesem Zimmer keine Sekunde gelangweilt. Für unsere erste intime Begegnung hat es sich bereits sehr vertraut angefühlt. Er verband mir die Augen, fesselte mich an einen Balken im Zimmer und kramte in seinem Trolley. Was auch immer da drin war, ich würde es in Kürze wissen. Ich war nervös und mir nicht sicher, was mich erwarten würde. Doch er hat genau gespürt, wie weit er gehen konnte. Er hat mich an die Grenze gebracht, ganz intuitiv. An manchen Stellen hat er nicht nachgegeben und ich war innerlich verzweifelt. Einmal spürte ich, wie eine Träne sich ihren Weg suchte. Ich flehte ihn an, mich aus meiner Pein zu befreien, was er umgehend tat. Wir wechselten ständig zwischen süßem Lustschmerz und wirklicher Pein. Minutenlange Schläge auf intime Körperstellen waren zwar in meinem Empfinden weit entfernt von Lust, aber ich will ja keinen netten Herrn 😉

Zwischendurch hielt er mich immer wieder fest, berührte mich zärtlich und gab mir Wärme und Sicherheit. Um mir gleich im nächsten Augenblick wieder Schmerzen zu schenken. Für mich war es eine einzigartige erste BDSM-Begegnung, die wir beide nur deshalb so intensiv fühlen konnten, weil wir einander vorher mehrfach getroffen, miteinander geredet und einander kennengelernt haben.  

Am ersten Tag des Jahres bin ich hoch geflogen und sanft gelandet. Ich habe gelächelt, vor Lust und Schmerz geschrien und in jeder Sekunde seine Anwesenheit genossen. Sein zufriedener Blick und sein Lächeln an diesem Nachmittag haben mich verzaubert. Ich bin im neuen Jahr angekommen. Dieses Jahr wird ganz wunderbar.