S/M, D/S, was denn nun?

Früher dachte ich, ich wäre ein bisschen masochistisch und kein bisschen submissiv. Vor einem Mann zu knien und ihm zu dienen kam zwischen meinen Beinen einfach nicht an. Dann traf ich R. und entdeckte diese Seite in mir. Sie war in mir und so stark, dass ich mir kein Leben ohne sie mehr vorstellen wollte.

Nun habe ich Ende letzten Jahres einen Mann kennengelernt, der mir sehr gefällt. Er ist groß, schlank, kultiviert, hat viel von dieser Welt gesehen und behandelt mich ausgesprochen zuvorkommend. Er vermittelt mir Sicherheit und Langfristigkeit für einen gemeinsamen Weg. Wir lassen unserer Lust freien Lauf und erkunden einander noch. Er ist auch ein wenig verrückt und spontan. Das mag ich sehr.

Schmerz ohne Unterwerfung

Wer meine Geschichte kennt und meinen Blog schon länger verfolgt weiß, dass ich sowohl auf der Schmerzseite, als auch auf der Unterwerfungsseite zu Hause bin. Diese beiden Aspekte gehören für mich mittlerweile zusammen. Ich brauche beide in meinem Leben um mich ganz zu fühlen. Dieser Mann kann aber aktuell nicht beide befriedigen. Er strahlt eine natürliche Dominanz auf mich aus, sonst wäre er nicht interessant für mich. Das kommt wohl einerseits von seiner stattlichen Körpergröße, aber sicherlich auch von der Art, wie er kommuniziert mit mir. Es gibt aber kein Herr-Sklavin-Machtgefälle zwischen uns. Ja – wir erleben zusammen schöne Dinge auf Augenhöhe. Wir leben Lust und Intimität, Schmerz kommt nicht zu kurz dabei. Da darf ich mich wahrlich nicht beschweren. Immer wieder verspüre ich aber den Impuls, nicht neben ihm am Sofa, sondern am Boden Platz zu nehmen. So manche:r Leser:in wird nun denken, ich solle doch dem Impuls einfach nachgeben. Das habe ich auch bereits getan und den Augenblick sehr genossen. Doch es ist etwas anderes, ob ich das tue, weil mir „danach ist“ oder weil mein Herr das möchte. Wenn ich diesem Impuls nachgebe ist das für ihn kein Problem. Aber er verlangt es nicht aktiv von mir und er gibt mir auch keine Befehle.

Bin ich eingebildet und abgehoben?

Ich möchte einen Herrn, der mir sagt, was ich zu tun habe.

„Ich brauche die Unterwerfung um meine innere Ordnung zu halten. Wenn der Herr die Führung übernimmt kann ich mich auf andere Dinge konzentrieren.

Jahrelang war ich bestrebt die perfekte Sklavin zu sein. Nach der Zeit mit R. war ich lange Zeit der Auffassung, keiner der Männer, die bei mir anklopfen hätten eine Sklavin, wie ich sie bin, verdient. Sie alle könnten gar nicht umgehen mit mir. Ich war intrinsisch motiviert und darauf geprägt, dem einen Herrn zu dienen. Da war aber keiner weit und breit, der in meinen Augen auch nur annähernd verstehen hätte können, was in einer Sklavin, wie ich sie bin, vorgeht. Ich bin etwas besonderes in einer BDSM-Welt, die mehr und mehr darauf aus ist, Kinks zu befriedigen und die Schmerz-/Unterwerfungsspiele immer kommerzieller für jeden und jede Interessierte öffnet. Ich finde, dass BDSM unbedingt raus aus der krankhaften Schmuddelecke muss. Dass sich nun viele Menschen an Fessel-/Spankingspielen versuchen, macht BDSM zwar immer mehr zum Thema, ist aber etwas komplett anderes, als mein BDSM. BDSM und Kink wird zum Lifestyle.

Mein Fazit lautet: Das ist nicht meine Welt. Die Sklavin in mir ist Teil meiner Identität. Ich kann sie nicht ablegen, sie ist immer da und in mir verwoben. Ich kann sie nicht herauslösen und dann über Monate Vanilla sein. Das geht einfach nicht, wenn du etwas nicht spielst, weil‘s geil ist, sondern wenn es Teil deiner Identität ist. Das macht mich zu etwas besonderem. Zu einem Diamanten in dieser Welt. Das ist nicht eingebildet und abgehoben, sondern zeigt, dass ich eine selbstbewusste Sklavin bin, die um ihren Wert weiß.

„Präsentiere deine Löcher!“

„Knie nieder und öffne dein Maul!“

„Kriech‘ zur Türe und zurück!“

Das sind nur drei Beispiele von Befehlen, die mich kicken. Ich bin dafür da, den Wein nachzuschenken, die Jacken aufzuhängen, als Fußablage zu dienen und auf allen Vieren durch die Wohnung zu kriechen – nur weil es dem Herrn in diesem Moment gefällt. Entmenschlichung, Scham und Machtspiele. Nicht nur Schmerz. Ich brauche den ganzen Blumenstrauß an Möglichkeiten für meine Befriedigung. Wird dieser Mann, mit dem ich mich zur Zeit treffe, mir früher oder später diesen bunten Blumenstrauß schenken können? Ich wünsche es mir, denn ich finde seine Nähe und die gemeinsame Zeit ausgesprochen schön.