Ich komme einfach in kein ruhiges Fahrwasser. Kaum beruhigen sich die Wellen und der Horizont wird eine Linie, zieht wieder ein Sturm auf und das Wasser schaukelt sich erneut auf.
An einem Tag ist es gut, so wie es ist. Ich brauche keinen Herrn, keinen Eigentümer, keinen Dom, der mir sagt, was ich zu tun habe. Mein Studium fordert mich ohnehin mehr als erwartet. Die Noten sind bisher ausgesprochen gut, das Thema interessiert mich. Es war meine bewusste Entscheidung, mich von dem Mann zu trennen, mit dem ich zum Jahreswechsel sehr glücklich war. Das tat weh. Mein Fokus liegt nun aber woanders. Und das ist gut so.
Am nächsten Tag ist alles hoffnungslos. Ich will gesehen werden, Spaß haben und begehrt werden, will dienen und zur Verfügung stehen. Ich fühle mich weiblich und akzeptiere meinen Körper, wie nie zuvor in meinem Leben. Aber offenbar gibt es da draußen keinen Mann, der damit umgehen kann. An diesen Tagen bin ich ratlos und traurig.
Immerhin hat sich – in Bezug auf die Sklavin in mir – mein Unwohlsein im Verhältnis zu meiner Zufriedenheit von 80:20 zu 25:75 verschoben. Das zeigt mir, dass ich einfach noch Zeit brauche um zu meiner Mitte zu finden.
Meine Vorstellung vom perfekten Dom ist seit langem in meinem Kopf. Ich will aber keine Erwartungen an einen Mann haben, die er nicht erfüllen kann.
Ich bin ja auch nicht auf der Welt, um zu sein, wie andere mich gerne hätten.
Ja, ein gutsitzender Anzug sieht an einem Mann einfach unglaublich gut aus und das zieht mich an. Aber ist ein Mann, der gepflegt ist und auf sich achtet, nicht völlig ausreichend? Muss es der Anzug sein? (Hauptsache, die Jogginghose gehört nicht zur Alltagskleidung, das ist mir sehr wichtig!)
Ich habe Freunde in der Szene, ich brauche keinen Mann um unterwegs zu sein. Das tut mir gut. Der Austausch im Bereich BDSM ist mir ein Anliegen, die Szene in Wien klein und fein. Trotzdem ist dort weit und breit niemand in Sicht.
Vor kurzem habe ich online jemanden kennengelernt, mit es interessant werden könnte. Statt des Gefühls, meine Ansprüche runterzuschrauben, weil ich ihn nicht als Anzugträger und Opernfan einstufe, verspüre ich ein angenehmes Gefühl der Neugier auf diesen Menschen. Ich lasse meine Vorstellungen gehen. Ganz langsam, aber spürbar. Ich will spüren.
Ich glaube, es ist langsam an der Zeit, mich von meinem Bild des perfekten Doms zu verabschieden – aber ohne etwas aufzugeben.