Lange hat es gedauert, bis ich für mich herausfinden konnte, was die Sklavin in mir will, was sie braucht und wonach sie sucht. Die Erkenntnis ist für mich nicht so einfach in Worten zu formulieren und sie ist nur eine Momentaufnahme, denn die Erfahrung zeigt mir, dass jeder neue Herr neue Wünsche wecken kann und mir andere Möglichkeiten aufzeigt, die ich vielleicht noch nicht gesehen habe. Das Leben ist auch in diesem Bereich immer zu in Bewegung.
Was jedenfalls feststeht ist: Nicht bestimmte Praktiken, keine spezifischen Schlaginstrumente und auch keine, vorher in meinem Kopf konstruierte Wunschsituation, sondern die harmonische Interaktion mit meinem Herrn ist es, was mich erfüllt.
„Ich will eine Begegnung auf Augenhöhe spüren, in der das Machtgefälle mich nicht klein macht, denn ich bin in dieser Verbindung genau so wichtig, wie mein Herr!„
BDSM hatte für mich immer mit den vorgegebenen Bildern zu tun, die sich automatisch im Kopf generieren. Doch je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto mehr habe ich bemerkt, dass ich viel freier sein möchte in meinem Sein. Niemand kann mir vorgeben, wie mein BDSM auszusehen hat. Es gibt keine Vorgaben! Jede:r hat andere Vorstellungen davon, andere Bedürfnisse, die befriedigt werden sollen. Mit dem einen Herrn war die Bullwhip das höchste, der andere konnte mich auf eine sehr subtile Art demütigen. Hätte das der jeweils andere getan, dann wäre es nicht gut gewesen. Jede Praktik, jedes Schlaginstrument fühlt sich anders an, wenn das Gegenüber wechselt. BDSM ist so vielfältig, wie die Beteiligten.
Kompromisse als notwendiges Übel?
Kompromisse einzugehen klingt nach einer erwachsenen Art der Beziehungsgestaltung. Ja. Das unterschreibe ich sofort. Bei der Suche nach einem Herrn bemerke ich dann aber doch, dass ich nicht mehr bereit bin, zu viele Kompromisse zu schließen. Mein passendes Gegenstück zu finden wird immer schwieriger, je tiefer ich in mich selbst vordringe. Je mehr ich weiß, was ich selbst will – und was ich nicht will – desto geringer wird die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen. Das hat wohl auch mit Lebenserfahrung (sprich: Alter) zu tun. Und nein: Ich bin keine Sub, die einen Wunschzettel abhakt. Ich bin eine Sklavin, die alleine selbst entscheidet, wem sie sich schenkt! Das Gefühl steht im Vordergrund, nicht die Abarbeitung von Listen oder die Erfüllung meiner eigenen Wünsche. Mein Wunsch ist es nach wie vor, die Wünsche des Herrn zu erfüllen. Darin finde ich meine Befriedigung.
Ich bin vielen Menschen, die BDSM ausleben, begegnet auf meinem Weg. Jede:r von ihnen hat etwas anderes aus der Vielfalt der Kinks und Möglichkeiten für sich gewählt. Die Palette reicht von öffentlicher Demütigung bis hin zu dunkelblau-violett gefärbten Flecken am Körper, von Getränkeservice für den Herrn bis hin zu zugenähten Körperöffnungen und eng verknoteten Seilen. Der Blumenstrauß ist bunt und groß. Ich finde das wundervoll! Vor allem zeigt es mir, dass alles möglich ist.
Aber was davon ist nun mein Ansatz?
Für mich ist BDSM eine bestimmte Art einander zu begegnen, es ist die Mischung aus einer sinnlichen Berührung und schmerzintensiver Hingabe und nicht an Handlungen und bestimmte Methoden gebunden. Allem voran brauche ich das Gefühl – nein besser das Verlangen – vor diesem Mann knien zu wollen. Ich brauche einen Mann mit Dominanz, die nicht laut ist, sondern die mich mit einer gewissen Bestimmtheit dahin leitet, wo der Herr mich haben will. Diese Art der Dominanz gibt mir Sicherheit. Sie darf nicht aufgesetzt daherkommen, sondern muss immer da sein. Mal auffälliger, mal subtiler. Ich brauche jemanden, der mir sagt, was ich zu tun habe. Das geht auch wunderbar ohne Worte, wenn die gemeinsame Zeit voranschreitet. Dann bin ich endlich am richtigen Platz.
Von Inszenierung in dunklen Kellern
Ich dachte lange, ich brauche die Inszenierung des gemeinsamen Spiels. Weil es mit diesem einen Mann eben außergewöhnlich war, wenn er die Bestrafung der Sklavin inszeniert hat. Heute will ich das so nicht mehr. Aussagen wie: „Oh, da muss ich die Sklavin jetzt aber bestrafen!“ geben mir keinen Kick mehr. Ich will nicht bestraft werden. Ich muss nicht erzogen werden. Ich weiß mich zu benehmen. Den Herrn zu enttäuschen mit meinem Verhalten darf mir nicht passieren als seine Sklavin. Und wenn es doch vorkommt, dann gibt es eben eine Ohrfeige und danach spricht er mit mir darüber! Ich will ihn in meinem Kopf spüren, mein Verlangen und mein Antrieb kommen aus mir selbst heraus, wenn er der richtige ist. Intrinsische Motivation, wie ich bereits in früheren Beiträgen geschildert habe, steht über der Angst vor Bestrafungen. Mein Herr soll Lust haben, mir Schmerz zuzufügen. Dazu braucht es keinen Grund. Schmerz, der meine Lust immer mehr steigert in seiner Intensität, weil er ihn mir gibt. Danach sehne ich mich. Dankbar sein zu können, weil er mir Aufmerksamkeit schenkt, ist ein unglaublich intensives Gefühl. Leder, Metall, Peitschen und Klammern sind ab und zu passend, doch das braucht es nicht immer.
Ich will keine dunklen Keller, keinen Strafbock, keine aufgesetzten Rituale, die in der Szene üblich sind. Frauen sitzen immer am Boden zu den Füßen des Herrn. Das ist ja ein zulässiges Ritual und weit verbreitet, aber die Sklavin darf auch mal neben dem Herrn sitzen. Das tut dem Machtgefälle keinen Abbruch, wenn der Mann in seiner Dominanz gefestigt ist. Samstagabend-Events, bei denen die Frauen die Herren bedienen, nackt oder zumindest oben ohne und stets verfügbar sind. Nein. Nicht meine Welt. Männer, die ihre Subs anderen zur Verfügung stellen und dabei zusehen. Ohne die Sklavin vorher selbst richtig kennengelernt und ausgiebig genossen zu haben. (Nicht falsch zu verstehen: Das kann grundsätzlich schon kicken. Aber das gleich im ersten Gespräch anzukündigen ist für mich unpassend, denn da geht es nicht um das, was ich suche!) Nein. Nicht meine Welt. In Ketten gelegt, nach dem Büro, weil nur der Dienstag von 17-19 Uhr frei war in der Mietlocation. Nein, auch nicht meine Welt.
Mein BDSM ist immer da!
Es lässt sich nicht im Kalender abbilden und auch nicht mit bestimmten Locations verknüpfen. BDSM zwischen meinem Herrn und mir ist eine sehr intime und intensive Art der Kommunikation. Sexualität spielt dabei eine große, aber nicht die Hauptrolle. Für viele, die ich getroffen habe, geht es am Ende immer um Orgasmen. Meist natürlich um den, des Mannes, manchmal darf sich auch die Sub darüber freuen. Nein. Nicht meine Welt. Viel zu eng gedacht.
Dem Herrn zu dienen, ihm zu gefallen und sein Objekt der Begierde zu sein, ist mir wesentlich wichtiger. Nicht der Höhepunkt ist das gemeinsame Ziel, sondern alles, was am Weg dahin passiert zwischen uns. Es ist schwer in Worte zu fassen. Für mich ist BDSM Kommunikation und Gefühl. Es ist nicht rational abzubilden.
Ein lustvoll-gieriger oder ein anerkennender Blick, eine sanfte oder eine schmerzhafte Berührung, Schläge und Küsse…Vertrauen und Sicherheit.
Sehnsucht
Auf einer Party haben wir nur Augen für einander. An der Bar bestellt er für mich. Im Aufzug fasst er mir zwischen die Beine und ich genieße meinen süßen Geschmack während er mich gegen die Wand drückt.
Kaum hat er mir höflich aus dem Mantel geholfen, falle ich auf die Knie und ziehe ihm die Schuhe aus. Er fasst mir fest in die Haare, kippt meinen Kopf nach hinten und sieht mir in die Augen. Wir wissen beide, was jetzt kommt. Kein Plan, sondern Gefühl. So will ich das.