Schon eine geraume Zeit wird die Sklavin in mir immer leiser. Als würde sie in einer dunklen Ecke in mir sitzen, zusammengekauert und still. Die Knie angezogen, den Kopf unter den schützenden Händen vergaben. In der Hoffnung, dass ich sie in Ruhe lasse.
Sie ist ein Teil von mir und doch behandle ich sie so, als könnte ich sie wegpacken, wenn es grad nicht passt. Da lagert sie dann im Schrank bis ich sie wieder brauchen kann. Bis der richtige Herr kommt. Das funktioniert nicht. Das schafft ein Ungleichgewicht in mir, das mein Leben unbequem macht. Heute macht es mich auch traurig. Ich habe soviel Schmerz und Tränen, Anstrengung und Zeit in die Perfektionierung meiner Sklavin gesteckt und nun verkümmert sie. Ist Sklavinsein wie Radfahren und man ist mit ein wenig Übung gleich wieder im Flow? Oder ist es wie eine Sprache und verschwindet mit der Zeit ohne Übung?
Ich vermisse sie sehr, aber ich spüre sie kaum. Schon im letzten Jahr habe ich festgestellt, dass es keinen passenden Herrn für mich gibt. Die Vorstellungen und Wünsche derer, die ich getroffen habe, waren nicht mit meinen kompatibel. Wie in einer jeden anderen Beziehung auch. Deshalb habe ich beschlossen, mich mir selbst zu widmen und wieder zu studieren. Neben einem Vollzeitjob und meiner Selbständigkeit. Das Lernen tut meinem Kopf gut, das Studium erweitert meinen Horizont. Doch jetzt sind die Tage übervoll. Ich komme kaum zu Nachdenken über BDSM.
Ich schwanke zwischen
- Ich lenke mich ab, weil ich keinen Herrn habe und nicht mehr suchen will
- Ich habe eine gesunde Entscheidung für mich selbst getroffen mit einer Weiterbildung
Ist es eines von beiden? Wahrscheinlich ist es eine Mischung. Gibt es das gesunde Mittelmaß diesbezüglich? Wie kann das aussehen?
Ich habe im Dezember einen Mann kennengelernt, der mir großes Interesse entgegenbringt. Der auch an Kunst und Kultur und Genuss interessiert ist. Ein Mann der mir wunderbar weh tut in vereinzelten Sessions. Aber er ist kein Herr, er ist Sadist. Keine Befehle, keine Aufgaben, keine mahnenden Worte, keine Erniedrigung. Der Masochistin ist damit genüge getan, die ist zufrieden. Die Sklavin aber weint still vor sich hin. Wie lange kann das gut gehen?
Das waren heute viele Fragen in einem Beitrag. Ich weiß. Aber auch solche Momente gibt es. Viele Fragen und (noch) keine Antworten.