Vor kurzem habe ich mit einer Freundin über das Thema Kinks und Spielarten im BDSM gesprochen. Darüber, ob Kinks sich verändern im Laufe der Zeit oder mit anderen Partner:innen. Dabei gab es einige interessante Erkenntnisse, über die ich im Nachhinein nachdenken musste.
Habe ich denn selbst eigene Vorlieben oder passe ich mich stets meinem Gegenüber an? Habe ich Kinks, die kommen und gehen, je nachdem, ob es auch meinen Herrn kickt? Oder sind die beständig, weil sie in mir sind? Also – wem gehören diese Kinks? Sind es meine, sind es seine, die ich übernehme oder entstehen und verändern sie sich überhaupt erst in der Dynamik der Beziehung?
Mir ist bei mir selbst aufgefallen, dass es zahlreiche Dinge gibt, die ich jahrelang als gut empfunden habe, die mich aber aktuell überhaupt nicht mehr kicken im Kopf. Liegt es daran, dass ich die Dinge nur getan habe, weil mein früherer Herr es so wollte? Liegt das an meinem jetzigen Herrn, der so anders ist, als alle, die vor ihm waren? Oder habe ich so manches einfach ausgereizt und kann ein Häkchen drunter setzen? Warum ist so vieles jetzt so anders, so vieles, was mir wichtig war, nun völlig irrelevant?
Jahrelang hat es mich gekickt, darauf hinzuarbeiten, die perfekte Sklavin zu werden. Ich wollte nichts mehr, als mich zur Dienerin der Lust, zum Objekt der Begierde zu entwickeln. Ein unfehlbares Einzelstück, Vorbild für andere subs. Viele Tränen, enorme Anstrengung, endloses Training und zahllose Entbehrungen habe ich in Kauf genommen um mein Ziel zu erreichen.
Ich habe – jenseits von situativem Konsens – so viel mit mir machen lassen, wobei mich einiges tatsächlich an sich gekickt hat, anderes aber nur die Verbindung mit meiner Rolle den entscheidenden Kick gebracht hat. Diese bestimmte Praktik war dann also quasi ein Vehikel für meine Unterwerfung in meinem Kopf. Dazu zählt z.B. mich so intensiv schlagen zu lassen bis ich grün und blau war. Damals habe ich damit meinen Fokus und meine Selbstbeherrschung trainiert. Es hat mir ein Gefühl der eigenen inneren Stärke gebracht, Schmerzen über meinen Wohlfühlpunkt aushalten zu können und dabei möglichst wenig Reaktion zu zeigen. Mein damaliger Herr verlangte dies als Zeichen meiner uneingeschränken Hingabe. Und genau dieses Gefühl hat mich gekickt! Ich habe es gebraucht wie einen Tropfen Wasser in der Wüste. Absolute Hingabe für meinen Herrn. Niemals hat mich der Schmerz selbst geil gemacht, es war das Gefühl im Kopf, das ich damit verbunden habe.
Strenge Verhaltensregeln waren die Leitplanken meines Lebens als Sklavin. Dadurch war er immer in meinem Kopf. Ich habe die Regeln befolgt, um ihm zu gefallen, um seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Ja, das hat mich gekickt. Es hat mir eine Verbindung gegeben zu ihm.
Ich dachte erst, dass die Nachlässigkeit in mein früher so strikt geregeltes Sklavinnenleben Einzug gehalten hat und ich nur eine strenge Hand bräuchte um die perfekte Sklavin wieder zu erwecken. Sie ist in mir. Immer.
Aber so ist es nicht! Ich will gar keine perfekte Sklavin mehr sein. Mein Herr will keine objektiv perfekte Sklavin, er will MICH. Es geht nicht um BDSM und das, was viele (die in der Szene sind) darunter verstehen. Es geht um unsere Verbindung, die es so nur einmal auf dieser Welt gibt. Ob das, was wir tun überhaupt mit dem Label BDSM versehen werden kann weiß ich nicht. Es ist mir aber auch vollkommen egal.
Denn heute finde ich die Dynamik zwischen meinem Herrn und mir viel spannender, als irgendwelche Checklisten mit Kinks, weichen und harten Grenzen. Was die Sklavin kann, wofür sie verwendet werden kann oder wo ihre Besonderheiten liegen interessiert mich nicht mehr. Vor anderen zu glänzen, meinen Herrn dadurch stolz zu machen und Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen durch perfektes Benehmen ist mir nicht mehr wichtig.
Ich will nur ihm Lust schenken. Meine Lust. Und meine Hingabe leben. Und ich habe Erwartungen an meinen Herrn, die ich früher nie hatte. Eine davon ist, gemeinsam herauszufinden, was uns beide kickt.