Ich habe meine Geschichte niedergeschrieben. Für mich. Und für alle, die in einer ähnlichen Situation sind und sich verloren und alleine fühlen.
Ich habe mich im Februar 2024 befreit von einem Mann, der nicht gut für mich war. Von einer Beziehung, die unter dem Deckmantel von BDSM begonnen hat und in Missbrauch geendet hat. Ich habe mich geschämt dafür. Mit meinem Buch will ich aufmerksam machen darauf, dass zwischen Machtgefälle und Machtmissbrauch nur ein schmaler Grat liegt – wenn man an die falsche Person gerät.
Schreiben als Therapie
Wie dem geneigten Leser bzw. der geneigten Leserin bereits aufgefallen sein dürfte, schreibe ich unglaublich gerne. Es ist mein Ventil, meine Art meine Gedanken zu ordnen. Wenn ich wieder einen Text fertiggestellt habe, dann fühle ich mich erleichtert und stolz.
Warum dieses Buch?
Im ersten Schritt habe ich alles niedergeschrieben, was ich erlebt habe. Das ging wie von selbst, meine Finger flogen über die Tasten und vier bis fünf Stunden vergingen wie im Flug. Nicht ein Mal war es plötzlich dunkel draußen, als ich vom Bildschirm aufblickte.
Dann fragte ich mich, was ich nun mit den vielen Seiten anfangen sollte. Und entwickelte eine Idee. Was, wenn ich nicht die einzige bin, der so etwas widerfahren ist. Was, wenn ich während der Beziehung jemanden gefunden hätte, dem ähnliches passiert ist? Hätte ich dann vielleicht früher entschieden, es zu beenden?
Deshalb habe ich beschlossen, meine Erfahrungen zu veröffentlichen.
Die Psychologie dahinter
Ich habe eine psychologische Ausbildung und trotzdem war ich nicht davor gefeit, mich in einer toxischen Beziehung wiederzufinden. Ja, auch wenn man eigentlich Bescheid weiß und sich beruflich damit beschäftigt, kann so etwas passieren. Dafür habe ich mich geschämt. Im Zuge meiner Aufarbeitung wurde immer klarer, dass nicht ich es bin, die sich schämen muss, sondern R., der mich und mein Vertrauen ohne Scham ausgenutzt hat. Erst hatte ich Zweifel, wie ich meinen Beruf noch ausüben könnte, wenn mir das auch selbst passiert?
Erfahrung als Ressource
Ich habe bemerkt, dass ich diese Erfahrung als Ressource in meiner täglichen Praxis einsetzen kann. Ich weiß jetzt noch besser, was in meinem Gegenüber vorgeht und auf welche Dynamiken ich besonders achten muss. Niemals würde ich die professionelle Ebene verlassen und mit Klient:innen über meine eigene Geschichte sprechen, doch mein Verständnis ist nun ein ganz anderes. Das fühlt sich gut an.
Wie geht es weiter?
Das Buch werde ich wieder unter meinem Pseudonym Isabella veröffentlichen. Die Gründe dafür sind einfach: Wer ich bin, hat nichts damit zu tun, was ich erlebt habe. Ich erzähle im ersten Teil, was passiert ist. Im zweiten Teil erläutere ich die psychologischen Dynamiken, die dahinter stecken, die Persönlichkeitsmerkmale, die ausschlaggebend sind, damit die Dynamiken so laufen, wie in meinem Fall. Damit lege ich – wieder einmal – mein Innerstes auf ein Tablett und mache mich angreifbar. Die Gefahr, als Mensch in einer Schublade zu verschwinden, ist groß. Und im Job kann ich das schlichtweg nicht verantworten. Das ist zu intim.
Ein Abschluss
Ich möchte nicht als Opfer gesehen werden. Ich möchte die Verantwortung nicht abschieben. Es braucht zwei für eine toxische Beziehung. Ich habe mich befreit. Und die Freiheit ist ein hohes Gut. Man weiß sie erst zu schätzen, wenn man sie nicht mehr hat. Bei mir ist das nun anders. Ich bin frei. Auch, wenn ich bei BDSM bleibe, weil es mein Leben ist. Auch, wenn ich einen neuen Herrn habe. Für mich gibt es da keinen Widerspruch.
Wann und wo es mein Buch zu kaufen geben wird, kann ich noch nicht sagen. Das PDF ist erstellt, das Cover ist in Arbeit. Es wird aber nur noch einzelne Wochen dauern – also unbedingt dran bleiben!