Sommerloch?

Aktuell habe ich wenig zu schreiben. Mein Herr weilt 5 Wochen im Ausland und wir haben wenig, aber zumindest täglich Kontakt. 2 Wochen sind geschafft.

Seit wir einander im April kennengelernt haben, ist es zugegeben sehr schwierig, denn wir hatten nur äußerst beschränkt Zeit miteinander. Er hat einen zeitintensiven Beruf und war seit Mai ständig irgendwo unterwegs. Wir hatten z.B. noch kein gemeinsames Wochenende miteinander und mussten nach gemeinsamen Nächten immer arbeiten am nächsten Tag. Das ist traurig, aber ich versuche es zu nehmen, wie es ist. Die gemeinsame Zeit hat mich darin bestärkt, dass er genau zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben gekommen ist. Er ist wundervoll zu mir und gibt mir das Gefühl, ausgesprochen wichtig zu sein in seinem Leben. Andere Zeiten werden kommen, da müssen wir durch. Ich werde diesen Mann nicht aufgeben, wir schaffen das gemeinsam.

Sommer Sonne Sonnenschein

Stundenlang liege ich am Pool, höre Hörbücher und Podcasts, gammle auf meiner Terrasse herum und sehe netflix-Serien. Mein Garten verlangt ebenfalls viel Zeit und Aufmerksamkeit. Ich beschäftige mich mit vielen Dingen, nutze den Sommer um Urlaub zu machen, mich mit Freund:innen zu treffen und so manches Hobby wiederzubeleben. So habe ich mich letzte Woche endlich wieder an die Nähmaschine gesetzt und Kleidung genäht. Einzigartig. Maßgeschneidert. Nur für mich.

Daneben muss ich für die Uni lernen, was zugegeben nicht meine liebste Urlaubsbeschäftigung ist. Und ich habe Ende Juli mein zweites Buch veröffentlicht! Jenseits des Safewords von Isabella | Buchschmiede

Es tut sich also doch relativ viel, wenn ich so darüber nachdenke. Aber eben wenig im Bereich BDSM. Da gibt es abwesenheitsbedingt ein Sommerloch. Bevor er weggefahren ist, habe ich zwei Aufgaben bekommen. Diese Aufgaben erinnern mich daran, dass ich das glückliche Eigentum eines außergewöhnlichen Mannes bin. Ich übe mich darin, bis er wieder vor mir steht und ich von den Knien aus zu ihm aufsehen darf. Sein Lächeln dabei habe ich mir eingeprägt. Es trägt mich wie eine angenehme Welle durchs Meer.

Alte Freunde, neue Bekanntschaften

Eine lange Zeit hatte ich das Gefühl, kaum Freunde zu haben. Das hat mich sehr belastet. Ich habe mich von R. isolieren lassen, dafür habe ich die Rechnung bekommen. Denn was sind ein Haus, ein Garten, ein Pool wert, wenn man die Wochenenden alleine auf der Terrasse verbringt und niemanden hat, mit dem man die Freude teilen kann? Versteht mich nicht falsch – „me-time“ ist wichtig und notwendig. Aber immer alleine zu sein ist traurig auf Dauer. Nun sind zwei Frauen in meinem Leben für die ich sehr dankbar bin. Wir sind in etwa gleich alt und die Interessen sind ähnlich. Das tut mir so gut! Endlich kann ich mich wieder mit jemandem austauschen und beraten in Themengebieten, die man nicht mit Arbeitskolleg:innen bespricht. Wir fangen einander auf, wenn es mal nicht so gut läuft. Das gibt mir Kraft. Eine von ihnen ist ebenfalls Sklavin. Mit ihrem Herrn ist es immer wieder schwierig. Ich höre ihr zu, ich bin für sie da. Und sie für mich. Die andere ist nicht so bdsm-lastig, hat aber viel Spaß mit einem jüngeren Mann in ihrer bestehenden Ehe. Auch diese Konstellation weicht also von der üblichen Norm ab. „Outside of the box“ zieht sich durch mein Leben. Es bereichert meine Sichtweise aufs Leben.

Mit einem Mann, der vor R. in meinem Leben war, hab ich nun auch wieder Kontakt. Wir reden über unsere Erfahrungen und freuen uns für den jeweils anderen. Ich hatte nicht gedacht, dass wir wieder zueinander finden. Die letzten Jahre waren geprägt von Missverständnissen. Die haben wir beseitigt. Ein befreiendes Gefühl, das mich ebenfalls dankbar macht. Er hat gute Erfahrungen gemacht und musste, wie ich, weniger gute Ereignisse verdauen. Miteinander zu reflektieren hat immensen Einfluss darauf, wie ich meine, seine und unsere gemeinsame Vergangenheit sehe. Und auch auf meinen Blick auf ihn als Dom.

Mit dem Mann, der mir am Ende geholfen hat, mich von R. zu befreien, bin ich seit Jahren regelmäßig in Kontakt. Er war zwar von Anfang an an mir als Sub interessiert, wollte aber nichts Exklusives. Obwohl ich ihn immer anziehend fand, wurde daraus nichts Dauerhaftes. Nun sehen wir einander ab und an und ich fühle mich sehr wohl in seiner Umgebung. Ich denke, das beruht auf Gegenseitigkeit. Wir verbringen wenig, aber eine gute Zeit miteinander. Ich glaube fest daran, dass es Freundschaften zwischen Männern und Frauen geben kann, die nicht sexuell konnotiert sind. Auch wenn wir gerne über BDSM, unsere Erfahrungen und Wünsche reden.

Ich bin dankbar für mein Leben und für die Menschen, die es bereichern. Ich wünschte nur, mein Herr wäre präsenter. Aber das kommt noch. Immerhin hatten wir bereits 2020 Kontakt zueinander. Wenn es sechs Jahre dauert, bis ich ihn „mein Herr“ nennen darf, dann haben wir mit fünf Wochen Trennung in diesem Sommer nur noch eine kleine Bürde zu nehmen. Die schaffen wir auch noch. Und dann wird es richtig gut.