Mein Körper ist eine Leinwand. Nicht nur mein Herr zeichnet mit seinen Schlagwerkzeugen Muster darauf, sondern ich habe Tattoos, die laufend erweitert werden. Ich habe es wieder getan.
BDSM ist ein wichtiger Teil meines Lebens und meiner Identität. Deshalb habe ich mir bereits 2019 das erste Tattoo mit BDSM-Bezug stechen lassen. Damals handelte es sich nur um drei Buchstaben: „sub“. Vier Jahre später habe ich den Schriftzug covern lassen und mit meinem Sklavinnennamen „Isabella“ überstechen lassen. Ich wollte den Teil meiner Identität sichtbar auf mir tragen. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich entschieden, dass ich das für mich selbst bräuchte. Diesen Namen hat kein Herr für mich ausgesucht, sondern den habe ich mir selbst gegeben. Es gab die Frau, die im öffentlichen Leben stand und es gab Isabella, die vor ihrem Herr kniete.
Im letzten Jahr verschwand dann der Name der Sklavin unter einem schwarzen geschwungenen Balken, weil es den Namen nicht mehr brauchte. Die Sklavin und die Frau sind eins geworden. Ich habe Isabella in mir angenommen. Es war nicht mehr nötig, Isabella nach außen sichtbar auf meiner Haut zu tragen. Wir sind endlich eine Einheit. Ich bin immer Sklavin und immer Frau.
Ein weiteres Tattoo ziert meinen Oberarm. In dessen Mitte befindet sich eine Triskele. Nur, wer sich damit beschäftigt weiß um deren Bedeutung.
Die Narbe, die ich aufgrund eines missglückten Brandings am Schamhügel hatte, habe ich in eine Fleur de Lis verwandeln lassen. Dadurch habe ich endlich wieder ein gutes Gefühl, wenn ich den Teil meines Körpers betrachte. So kann ein Tattoo auch heilsam sein und dazu beitragen, negative Erlebnisse zu verarbeiten und zu überwinden.
Nun trage ich den Schriftzug „Solus verus dominus me regere novit“ unter meinem Herzen. (Für Nicht-Lateiner:innen: Nur der wahre Herr weiß, mich zu führen) Dieser Satz beschreibt mein Wesen einfach zu gut.
Auch wenn ich submissiv bin und mich meinem Herrn unterordne, bin ich nicht einfach. Ich weiß, was ich will. Ich bin stark und fordernd. Auch als Sklavin. Nur der richtige, der wahre Herr für mich, ist nicht überfordert mit mir. Er weiß, wie er mit mir umzugehen hat. Er fühlt, ob ich Streicheleinheiten oder Schläge brauche, er spürt, ob er mich küssen, oder mir ins Gesicht spucken sollte. Dem wahren Herrn unterwerfe ich mich, mit allen anderen spiele ich. Ich wickle sie um den Finger und habe schnell das Interesse verloren.
Zum jetzigen Zeitpunkt entspricht dieser Schriftzug meinem Wesen. Sollte sich daran wieder etwas ändern, wird sich auch das Tattoo wieder verändern. Die Leinwand ist nicht statisch, sie ist ein Abbild meines Lebens. Und das verändert sich laufend.