Der fehlende Stein

Ich habe in einem meiner ersten Beiträge davon geschrieben, was es braucht, um die perfekte Sklavin zu sein. Wenn ich ehrlich bin, bin ich auch weiterhin der Meinung, dass ich schon sehr nahe dran bin. Das soll nicht überheblich klingen, aber…

…meine Erfahrung und meine (meist) reflektierte Herangehensweise haben in mir eine Frau reifen lassen, die weiß, was sie möchte und darin aufgeht. Was für viele das Label BDSM trägt, ist für mich keine sexuelle Variante, keine Spielerei, sondern meine Art zu leben. Es begleitet mich immerfort. Trotzdem bin ich nicht gefangen und abhängig, sondern frei und willensstark. Alles geschieht, weil ich es so möchte und zulasse.

Eine Frau, die sich selbst unterwirft, kann nicht gedemütigt werden. Sie hat den absoluten Vorteil sich in selbst gewählter Weise, einem selbst gewählten Menschen, unterworfen zu haben und wird dadurch unverletzlich.

Simone de Beauvoir

Selbstaufgabe als fehlender Stein

Aber der letzte Stein über den ich gehen muss um den Bach zu überqueren, der fehlt immer noch. Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Ich kann ihn schon erahnen, manchmal blitzt er unter dem reißenden Wasser hervor, doch betreten kann ich ihn auch nach knapp einem Jahr mit meinem Herrn immer noch nicht. Mein Herr steht auf der anderen Seite dieses Baches und hält mir wiederholt die Hand hin. Immer wieder erkenne ich die Umrisse des Steines, den ich so sehr herbeisehne und ich bemühe mich mit aller Kraft, mich darauf zu konzentrieren. Er weiß, dass ich es schaffen werde und er ermutigt mich dazu, meine Metamorphose zu durchleben. Wir haben Zeit, nichts eilt, niemand drängt. Mein Wille und meine Zielstrebigkeit lassen mich nicht aufgeben. Und doch sind meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu oft im Vordergrund in meinem Denken. Zu oft stelle ich mir Fragen wie: Wann bekomme ich dies oder jenes? Wann nadelt er mich endlich wieder? Wird er mich heute fisten? Warum muss ich stundenlang blasen? Wann ist es endlich vorbei? Warum beachtet er mich heute nicht? Ich denke zu viel um völlig aufzugehen in der Hingabe. An den meisten Tagen ist es das schönste und erstrebenswerteste auf dieser Welt, seine Sklavin zu sein. Wenn ich eben nicht bestimmen darf, wenn ich nur zu funktionieren habe und meine Wünsche und Bedürfnisse nicht wichtig sind. Kein Widerspruch kommt mir dann über die Lippen, kein Zweifel an seinem Willen durchkreuzt meine Gedanken. Das hat nichts damit zu tun, dass er an diesen Tagen Dinge von mir verlangt, die in meiner Komfortzone sind. Er fordert mich täglich heraus und ich folge ihm kompromisslos, auch wenn es Aufgaben sind, die ich verabscheue oder ich nicht in Stimmung bin.

Meine Bedürfnisse sind nicht wichtig

Ich möchte endlich über den Bach gehen können und tief in mir fühlen, dass meine Bedürfnisse erfüllt sind dadurch, dass mein Herr glücklich ist. Immer öfter ist diese Seite da. Sie fühlt sich so unglaublich schön und richtig an, sie wird meine Erfüllung sein. Das spüre ich ganz deutlich. Der Weg ist der richtige – es ist der Weg meines Herrn und der Weg zu mir – aber es dauert noch eine Zeit, bis ich das, was ich in Worten auszudrücken vermag, was ich in meiner Kreativität ausleben kann, auch im Innen fühle. Nicht nur ab und zu, sondern als ergebene Sklavin in jeder Sekunde meines Daseins.

Die Zeit lässt mich reifen als seine Sklavin, als Frau, als Mensch.

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