Die Perspektive ändert sich

Mein Blick auf BDSM verändert sich gerade. Ich weiß nicht genau, wo ich bin und wohin die Reise tatsächlich geht. Dass BDSM nicht eine von vielen Sex-Praktiken ist und es dabei um mehr geht, als ums Schlagen und Knien, das ist mir seit vielen Jahren bewusst. Dass sich die eigenen Vorlieben im Laufe der Zeit verändern (können), auch das weiß ich. Aber, das, was sich in meiner Selbstwahrnehmung in den letzten Monaten verändert hat, das bringt mich ein wenig aus der Spur.

Niemals hätte ich diese devote Seite in mir als so ausgeprägt vermutet. Meinen Masochismus spüre ich im sexuellen Sinne immer, von der Intensität her ist er nicht übermäßig, aber trotzdem latent vorhanden. Ich dachte allerdings, ich bin nur leicht devot und mehr masochistisch. Jetzt muss ich feststellen, dass ich zutiefst devot bin. Es hat nur der Mann dazu gefehlt, der mein eigenes Bedürfnis zu dienen in mir weckt. Der Mann, der die Art der Dominanz an den Tag legt, die ich anziehend finde.

Ich nehme mich an, wie ich bin

Ich habe mich verändert. Ich habe meine Einstellung zu machen Dingen verändert. Ich habe mich weiterentwickelt. Eine sehr entscheidende Frage, die ich mir in den letzten Wochen immer und immer wieder stelle, ist: (wie) kann meine (BDSM-) Umgebung damit umgehen? Denn, so wie sich meine Ansichten verändert haben in den letzten Jahren, so hat sich auch mein BDSM verändert, denn es ist Teil von mir. Ich kann nichts mehr anfangen mit Spielsessions für einen Abend. Meist geht es dabei um Spanking. Oder generell ums Erniedrigen und Verhauen vor möglichst vielen Augenpaaren in einschlägigen Lokalen. All das habe ich hinter mir und es war eine Erfahrung wert. Es war Teil meiner Entwicklung und Entwicklung ist wichtig. Sie eröffnet mir neue Wege und Möglichkeiten, das Leben zu entdecken und es zu genießen. Meine grundsätzliche Neugierde aufs Leben, die es mir ermöglicht, immer Neues zu probieren, hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin. Stillstand ist nicht meine Lebenseinstellung. Immer muss sich etwas tun, ich muss mich bewegen. Körperlich und geistig. Nicht, dass ich rastlos wäre. Ich kann schon auch gut entspannen, aber über einen längeren Zeithorizont kann ich mit Stillstand nichts anfangen. Deshalb treffe ich neue Menschen, besuche Workshops und lese viel zum Thema Sexualität und im Speziellen BDSM. Dadurch ergeben sich neue Perspektiven und Ideen, an die ich zuvor gar nicht gedacht hätte. Das macht mein Leben bunt und vielfältig. Und mich zu der, die ich bin.

D/S nun doch Thema

Wie schon weiter oben angemerkt, hat sich mir meine devote Seite erst in ihrer Tiefe offenbart, als der Mann in mein Leben getreten ist, dessen Sklavin ich jetzt bin. Ich habe auch früher versucht, mich einem Mann zu unterwerfen. Aber es hat sich nicht gut angefühlt. Mein Bauchgefühl hat mir unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass es nicht richtig ist., mich verbal zu unterwerfen. Meinen Herrn darum zu bitten, ihm dienen zu dürfen. Ich wollte immer am liebsten weglaufen, so unangenehm war mir dieses Ritual. Irgendwann ist es weggefallen, weil ich es nicht konnte.

Jetzt gibt es jemanden, der hat es geschafft, mein Verlangen nach Unterwerfung zu entfachen. Dieses Verlangen ist so gewachsen in den letzten Monaten, dass es einfach raus musste. Es fühlt sich fast ein wenig an, als würde eine Last von meinen Schultern genommen. Ich fliege und fühle mich plötzlich frei. Auch Tränen der Freude habe ich bereits vergossen, konnte meine Gefühle nicht zurückhalten und wollte es auch nicht. Die Verbindung zu meinem Herrn wirkt so real und doch immer noch, wie ein Traum. Die Verbindung ist stark, weil er mir durch seine grundsätzliche Einstellung zu BDSM als Lebenseinstellung die Sicherheit gibt, die ich brauche. Eine ehrliche und echte Dankbarkeit durchströmt meinen Körper beim Gedanken daran, dass er sich meiner angenommen hat, dass ich ihm gehören darf. Die Demut, die ich empfinde kannte ich so nicht. Ich denke, das ist die natürliche Dominanz, die ich im Beitrag „Der perfekte Dom“ beschrieben habe. Er löst etwas in mir aus, was immer schon da war, aber der Trigger dazu hat einfach gefehlt. Ich bin schon vor einigen (nicht vielen) Herrn gekniet, aber diesmal spiele ich diese Rolle nicht. Diesmal lebe ich BDSM zum ersten Mal mit jeder Faser meines Körpers.

Erleben mit allen Sinnen

Mein BDSM ist nicht, wie erwähnt, eine Art Sex zu gestalten. Obwohl die sexuelle Komponente selbstverständlich eine sehr starke ist. Zarte und harte Berührungen, der Geruch, der Blick in die Augen des Gegenübers, der Geschmack und die lustvollen Geräusche bringen knisternde Erotik ins Leben. BDSM ist aber vielmehr eine Art das Leben zu gestalten und es wahrzunehmen.  Nicht nur während einer Session, nicht nur im Schlafzimmer, sondern im Alltag hat BDSM für mich einen wichtigen Stellenwert. Selbstverständlich habe ich auch ein Leben abseits von BDSM. Ich bin eine starke und selbstbewusste Frau, die sich ihren Platz in der Gesellschaft gesucht hat. Meinem Herrn zu dienen und mich völlig selbst aufzugeben, widerspricht jeglichen gesellschaftlichen Grundwerten, für die ich tagtäglich einstehe. Und genau dieser Widerspruch macht es so befreiend für mich. Es zuzulassen und mit all meinen Sinnen in diesen Teil meines Selbst einzutauchen, das bringt mir Ruhe und Zufriedenheit. Mein BDSM endet nicht an der Haustüre, sondern es begleitet mich. Ins Theater, in die Bahn, ins Büro und in den Supermarkt. Mein BDSM sitzt mit mir am Tisch und geht mit mir shoppen. Ob es in der realen Person meines Herrn ist, oder auch nur in Form meiner auferlegten Regeln und damit im Kopf – BDSM ist immer da! Sich an den kleinen Gesten zu erfreuen, Regeln zu befolgen und – 220 km zum Trotz – Nähe zu spüren ist ein erhabenes Gefühl.

Und dafür bin ich ihm unendlich dankbar.

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